…desto tiefer ist die Hoffnung

fr. Georg D. Menke

fr. Georg D. Menke OP

  • Geboren 1962
  • Aufgewachsen in Essen-Werden
  • Ordenseintritt 1984
  • Profess 1985
  • Priesterweihe 1989
  • Gefängnisseelsorger
  • Dominikanerkonvent St. Bonifaz,
    Bonifaziusplatz 1, 55118 Mainz

…desto tiefer ist die Hoffnung

Predigt zum 2. Sonntag der Osterzeit gehalten in der Justizvollzugsanstalt Butzbach

„Je ungünstiger die Situation ist, in der wir unsere  Hoffnung bewähren, desto tiefer ist diese Hoffnung.“ So beginnt  Vaclav Havel einige kurze Gedanken zu diesem Thema „Hoffnung“. Er sagt dies aufgrund seiner staatsmännischen, tschechischen Erfahrung. „Je ungünstiger die Situation ist, in der wir unsere Hoffnung bewähren, desto tiefer ist diese Hoffnung.“

Die Hoffnung ist uns tatsächlich ganz wichtig. Denn, wenn sie uns abhanden kommt, dann sind wir am Ende.

Und eine „ungünstige Situation“ haben wir hier allemal. Die Schwierigkeiten sind offensichtlich, wir kennen Schicksalsschläge und spüren unsere Grenzen. Die härteste Grenze des Lebens ist der Tod.

In der Osterzeit versammeln wir uns vor dem Gott, der Grenzen überwunden hat. Er will die Hoffnung wirklich tief in uns einpflanzen.

Wenn wir uns auch die Grenzen unseres Lebens eingestehen, dann befinden wir uns ja in guter Gesellschaft mit den Jüngerinnen und Jüngern, die Jesu Auferstehung erleben. Sie hatten sich eingeschlossen, aus Angst – und einer, Thomas, sagte was alle dachten: Zweifel!

Auch das ist eine sehr ungünstige Situation für die Hoffnung.

Bodenständige Leute wie wir – und genauso die biblischen Gestalten – brauchen wirklich keine billigen Hoffnungen und Vertröstungen.

Vaclav Havel fährt fort: „Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht.“

Das mag Sie verwundern. Denn Optimismus und eine solche Überzeugung sind doch sehr erfreuliche und erstrebenswerte Haltungen. Havel – in seiner Lebenserfahrung – erinnert uns aber daran, dass wir uns nicht gerecht werden, wenn wir so miteinander umgehen nach dem Motto: „Es wird alles gut werden.“

Als Glaubende wissen wir, dass wir auch unserem Gott nicht gerecht werden, mit einer solch oberflächlichen Einstellung. Dazu ist seine Geschichte mit den Menschen viel zu abenteuerlich und zu vielfältig.

Auch in der hl. Schrift ist uns überliefert: „Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht.“

Sondern, so fährt Vaclav Havel fort, „es ist die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“ Deshalb bringen wir unser Leben heute hier hin, so wie es ist. Deshalb stellen wir diese Kerze hier auf – bleich, wie ein Leichnam, aber fein geschmückt und entzündet – in unserer Mitte.

Wir blenden die Widrigkeiten und Ängste, die Gewalt und den Terror in unserer Feier nicht aus. Denn wir brauchen keine billige Hoffnung; die trägt nicht und die hält nicht.

Wir brauchen so etwas wie die Jünger, die ihre Verschlossenheit überwinden – wie den Thomas, der seinen Zweifel lebt und überwindet. „Es hat einen Sinn, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“

Ob die Jünger sich das so vorgestellt haben, wage ich zu bezweifeln. Vielmehr ist eine Ahnung in ihnen aufgestiegen, dass diese Botschaft wirklich gilt. Das Licht erhellt die Dunkelheit, die Versöhnung überwindet den Hass, das Leben siegt über den Tod – im Leben eines jeden von uns. Da ist eine Ahnung vom Sinn.

So sensibel und tief zugleich ist die Osterbotschaft. Der auferstandene Jesus Christus will uns in der Hoffnung stärken, damit wir unser Leben schaffen, Osterfreude erfahren und weitersagen. So kann unser Leben einen Sinn bekommen, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.